Alles kommt zurück. Es ist immer dasselbe, ein neuer Trend kommt auf, viele folgen ihm, der Trend flacht ab und die folgende Generation macht sich über ihn lustig. Wieder eine Generation später orientiert man sich stark am Vergangenen und lässt verpönte Kleidungs- und Musikstile wieder aufleben. Immer und immer wieder.
Besonders gut zu beobachten ist diese Entwicklung in der aktuellen Popmusik. Der britische Autor Simon Reynolds widmete diesem Thema ein 500-seitiges Buch mit dem Titel „Retromania“, welches nun auch bei uns erhältlich ist. Auf einem Satz heruntergebrochen sagt das Buch: Die Popmusik ist von der eigenen Vergangenheit besessen. Reynolds scheint aber weniger besorgt um die Tatsache an sich. Interesse für Vergangenes ist normal und bestimmt kein Problem eines einzelnen Musikgenres. Revivals und Anlehnungen ermöglichen Fortschritt und Neuheiten ja überhaupt erst.
Ihn beunruhigt die immer kürzer werdende Halbwertszeit der Vergangenheit. Alles wird immer wieder neu und nochmal neu und nochmal neu aufgemischt. Obwohl Vergangenheit Neues ermöglichen kann, tut sie dies gegenwärtig nicht. Es ist, als würde man sich nicht an Neues trauen und lieber altbewährtes wieder und wieder neu ausschlachten. Laut Reynolds gehe dabei jede Substanz „flöten“. Man habe immer das Gefühl Lieder schonmal gehört zu haben, auch wenn sie brandneu sind.
Die Gründe dieser negativen Entwicklung sieht Reynolds in der digitalen Revolution. Es ist jedem ein leichtes an alte Samples zu gelangen und sie frei nach eigenem Belieben zu verwenden und umzuändern. Aber der Kern bleibt der gleiche. Nihil novi.
Das Buch erfreut sich bislang guter Kritiken. Die Onlineplattform „Musikexpress“ rezensierte beispielsweise wie folgt: „Retromania ist ein tolles Buch, akribisch recherchiert, mit großartigen Ausflügen in die Nerdkultur der Sammler und Fetischisten und ratlosen Begehungen von Popmuseen und theatralischen Wiederauferstehungen“.

Retromania, Foto: japanese forms_flickr
Ist es nicht normal geworden das immer wieder Altes auf “neu-gemacht” wird? Es gab schon so viele Berichte darüber zu lesen die im Endeffekt alle gleich enden. Daher werde ich mir dieses Buch mit Sicherheit nicht kaufen. Da spielt es für mich auch keine Rolle ob Kritiker es loben.