Büchner Preis an Delius verliehen

Verfasst am 15/11/2011
© PANORAMO - Fotolia.com

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Der Georg-Büchner-Preis wurde an Friedrich Christian Delius verliehen. Die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung würdigte den Schriftsteller als “erfinderischen Beobachter”. In seiner Dankesrede am Samstag im Darmstädter Staatstheater bewies F.C. Delius, dass er diesen Titel auch verdient hat. Er brachte den Zuschauern Büchner näher, indem er Beobachtung und Erfindung so raffiniert verbunden hat, wie er es auch in seinen Werken tut. Er erzählte von der Augustnacht des Jahres 1834, in der Büchner sich nach Gießen aufmacht und folgt seinem Weg bis er dabei ist, zum Staatsfeind Nummer eins zu werden. Delius las 1965 den Brief, den Büchner an seine Eltern in Darmstadt geschrieben hat, um sie zu beruhigen. Dieser nahm ihn so mit, dass “der junge Büchner plötzlich seine Schulklassiker-Unnahbarkeit, die Aura des unerreichbaren Jung-Genies verlor”, so der Preisträger. In seiner Rede zog Delius gekonnt die Linie zum eigenen Schreibimpuls: “Alleinsein, Einsamkeit, Abstandhalten, Meinungsvorsicht, Zweifel, Freude am Fragen, Schweigen” seien die besten Voraussetzungen zum Schreiben. Auch politisch hält sich der Schriftsteller nicht zurück. Silvio Berlusconi bezeichnete er, der zeitweise in Rom gelebt hat, als “regierenden Wirtschaftskriminellen”; den Deutschen warf er vor, viel “emotionalen, rechthaberischen Aufwand” für Bahnhöfe zu betreiben, aber gelangweilt zuzuschauen, wenn es um die “Abschaffung der Demokratie vor unserer Haustür in Ungarn und Italien” gehe.

Die Schriftstellerin Sibylle Lewitschroff sagte in ihrer Laudatio, dass Delius viel zur Demokratisierung der Bundesrepublik beigetragen habe, indem er sich an “heiß umbrandete Themen” gewagt habe, “ohne einer sterilen Freund-Feind-Schematik” zu verfallen. Die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung lobte den Schriftsteller unter anderem wegen seiner souveränen Erzählkunst und seiner satirischen Schärfe, die er mit einer menschenfreundlichen Sensibilität zu verbinden weiß.

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